Kantonalzürcherische Volksinitiative „Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule“

Stellungnahme der Co-Präsidenten des Initiativkomitees: Hanspeter Amstutz, ehemaliger Bildungsrat und Werner Wunderli, ehemaliger Bezirksschulpfleger. Hier können Sie den Unterschriftenbogen herunterladen (auf den Link klicken): „Mehr Qualität – eine Fremdsprache an der Primarschule“

Damit die Schüler eine Fremdsprache mit Erfolg lernen, müssen mindestens drei wichtige Voraussetzungen stimmen: Genug Lektionen für den täglichen Kontakt mit der Sprache, Unterricht in passenden Niveaus und eine gute sprachliche Kompetenz der Lehrpersonen. Die ersten beiden Bedingungen kann die Primarschule nicht bieten, nur die dritte wird mit riesigem Aufwand erreicht. Und da will man allen Ernstes am Dogma festhalten, jedes Kind müsse bereits in der Primarschule Deutsch, Englisch und Französisch lernen.

Warum wird weiterhin so viel Zeit für die Ausbildung der Primarlehrkräfte in Englisch und Französisch aufgewendet, wenn entscheidende Grundvoraussetzungen für erfolgreiches frühes Lernen zweier Fremdsprachen fehlen? Um zwei Wochenlektionen à 45 Minuten in einer Sprache unterrichten zu können, wird ein grosser Teil der wertvollen Aus- und Weiterbildungszeit der Lehrkräfte fürs Fremdsprachenlernen eingesetzt. Dies führt unweigerlich zu Ausbildungslücken in andern Bereichen.

Viel dringender wäre es, den vernachlässigten Realienbereich zu stärken, damit die jungen Lehrpersonen über die nötigen Kenntnisse für die Praxis und solides didaktisches Können verfügen. Auf diese Weise kann in kindgerechten naturwissenschaftlichen Experimenten oder in spannenden Geschichtsstunden den Schülern ein reichhaltiger Wortschatz vermittelt werden. Diese Funktion der Realienfächer ist Teil eines ganzheitlichen Deutschunterrichts. Ohne muttersprachliche Vertiefung zentraler Themen fehlt eine weitere Voraussetzung für erfolgreiches Lernen von Fremdsprachen.

Die Primarschule muss sich auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen. Zwei Fremdsprachen ein bisschen zu lernen und dafür eine ganze Ausbildungs- und Förderorganisation in Gang zu setzen, gehören nicht dazu. Allzu viele Schüler nehmen heute Förderstunden in Anspruch, um in den Fremdsprachen doch noch einigermassen mithalten zu können. Meist ist das Ganze Sisyphusarbeit mit hohen Kostenfolgen. Aber bei vielen Eltern hat sich die von Bildungsexperten angefachte Panik, man könnte beim Sprachenlernen zu spät kommen, bereits festgesetzt. Es ist deshalb dringend nötig, darauf hinzuweisen, dass mit einem völlig ungenügenden Konzept das frühe Sprachenlernen wenig bringt und die Primarschule von weit wichtigeren Aufgaben abgelenkt wird.

Wir bitten Sie deshalb, im Sinne einer starken Volksschule die Volksinitiative für nur eine Fremdsprache an der Primarschule zu unterstützen!

Die Co-Präsidenten des Initiativkomitees

Hanspeter Amstutz, ehemaliger Bildungsrat
Werner Wunderli, ehemaliger Bezirksschulpfleger